Secure Smart Grid Load Balancer

Ein Team aus Firmen und den Stadtwerken Kelheim will ein intelligentes Messgerät entwickeln, um einen effizienteren Energieverbrauch sicherzustellen.

Die Debatte über die Energiewende wird derzeit von Fragen zu Versorgung und Transport beherrscht – etwa der bayerischen Stromtrasse. Welche Anlagen produzieren künftig den Strom für die deutschen Verbraucher und Unternehmen? Welche Netze werden benötigt? Ein anderer wichtiger Baustein gerät dabei teils aus dem Fokus: der Energieverbrauch. Dieser schwankt über den Tagesverlauf – deshalb wird es wohl in den kommenden Jahren immer wichtiger, ihn an die tatsächliche Energieversorgung anzupassen.

Automatische Stromsteuerung

Intelligente Stromzähler sollen helfen, dieses Problem zu lösen. Sogenannte SmartMeter sollen den Stromverbrauch von Haushalten messen und mit der aktuellen Stromversorgung abgleichen. Ist das Stromangebot gerade reichlich, weil viele Wind oder Solaranlagen arbeiten, sollen die Strompreise sinken. Der intelligente Zähler soll dann dafür sorgen, dass in diesen Momenten besonders viel Strom verbraucht wird – er könnte automatisch die Waschmaschine anwerfen oder in der Zukunft das Elektroauto laden – sofern der Kunde das will. Im Landkreis Kelheim entsteht derzeit ein ähnliches Projekt, namens „Smart Grid Load Balancer“ – nur dass die Herangehensweise Unterschiede birgt. Dafür haben sich die Stadtwerke Kelheim, die Hochschule Regensburg, sowie die Firmen EBSnet/eEnergy, evopro Systems engineering, genua mbH und Sener-Tec- Center zusammengeschlossen. Die Stadtwerke Kelheim und ihre Kunden dienen dabei als Anwendungspartner. Aktuell sind auf dem Markt nur SmartMeter erhältlich, die statt des herkömmlichen Stromzählers fest verbaut werden. Die Projektgruppe will einen sogenannten MicroSmartMeter (MSM) entwickeln. Der große Unterschied, er passt in jede Steckdose. Vergleichbar ist das Produkt mit den Adaptern, die bei SmartMetern an die zu messenden Geräte angeschlossen werden.

Die Stadtwerke können agieren

Der MSM ist für normale Haushalte ausgelegt. Deshalb soll er erschwinglich sein und sich innerhalb von zwei oder drei Jahren amortisieren. Der Kunde steckt ihn zwischen Steckdose und Stecker etwa des Gefrierschranks. Dabei wird der Stromverbrauch des Geräts ermittelt. Ziel ist nun, dass die Stadtwerke über ihre Leitstelle mittels des MSM Geräte ab und anschalten kann. Das ist laut Gerhard Hinz von den Stadtwerken, ein Vorteil in mehrerlei Hinsicht: „Wir wären damit fähig, bei Spannungsspitzen für Entlastung zu sorgen. Einen Gefrierschrank zehn Minuten abzustellen hilft nicht viel – aber wenn wir das bei 1000 Haushalten machen, müssen wir weniger Strom zukaufen.“ Zum anderen könnte durch diese Entlastung der Netzausbau im Landkreis auf mehrere Jahre verteilt werden. Anvisierte Ersparnis pro Jahr für die Stadtwerke: 80 000 bis 100 000 Euro. Zudem könnten stromintensive Geräte wie etwa Waschmaschinen oder Trockner dann angeschaltet werden, wenn es durch Solar- oder Windanlagen gerade besonders viel Strom gibt.

Allerdings steht das Projekt noch am Anfang, birgt noch viele Unwägbarkeiten: Es muss ein Gerätepool angelegt werden, geprüft werden welche Geräte man abschalten könne, ob dies in jedem Fall eine Ersparnis bringe oder inwiefern Kunden Zeitfenster zur Ab- und Anschaltung selbst festlegen können.  

KOSTEN: 1,4 MILLIONEN EURO

  • Das Projekt MicroSmartMeter läuft 30 Monate ab Januar 2014. Die Kosten betragen etwa 1,4 Millionen Euro, wobei das Forschungsprojekt durch das Bayerische Wirtschaftsministerium im Rahmen des IuK Bayern gefördert wird.
  • Beteiligt sind Stadtwerke Kelheim, EBSnet|eEnergy Software GmbH, Genua Gesellschaft für Netzwerk- und Unix-Administration mbH, evopro Systems engineering AG, SenerTec-Center Nord-Ost Bayern GmbH und die Hochschule Regensburg.


Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung am 12.02.2014