24Okt2018 C

Interview mit Marcel Rautter, Projektleiter des E-Mobilitätsclusters Regensburg

Forschungsplattform E-Bus EMIL

Marcel Rautter, Projektleiter des E-Mobilitätsclusters Regensburg

Wir haben mit Marcel Rautter, Projektleiter im E-Mobilitätscluster Regensburg, ein Interview zur Forschungsplattform E-Bus EMIL geführt.
Das E-Mobilitätscluster Regensburg organisiert die Arbeitsgruppe E-Bus, aus der Projekte für die Forschungsplattform entstehen.  

Welchen Nutzen hat der Innovationsbus EMIL für die Firmen und die Stadt Regensburg?

Der E-Bus bietet Firmen in Regensburg die Möglichkeit, neue Technologien, die häufig nur unter Simulations- oder Laborbedingungen getestet werden können, im tatsächlichen Realbetrieb auszuprobieren. Dadurch können einerseits Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und Optimierung des Testobjektes gesammelt werden, die diese später am Markt wettbewerbsfähiger und robuster machen können. Andererseits ist es eine hervorragende Gelegenheit, der Öffentlichkeit und vor allem potenziellen Kunden zu zeigen, dass die entwickelten Produkte des Unternehmens in der Praxis funktionieren und gegebenenfalls bessere Leistungswerte als Konkurrenzprodukte erzielen.

Die Stadt Regensburg profitiert indirekt durch die von den Firmen entwickelten und getesteten Produkte, da diese den Wirtschaftsstandort stärken. Der Innovationsbus schafft Anreize für Unternehmen, in Regensburg zu investieren. Die AVL Software and Functions GmbH hat im ersten Projekt erfolgreich einen neuen E-Motor im Innovationsbus verbaut, getestet und positive Ergebnisse erzielt.

Wie entstand die Projektidee, den E-Bus mit einem LiDAR-System auszustatten?

Der Begriff „Autonomes Fahren“ ist mittlerweile weit verbreitet. Doch in der Praxis steht man, vor allem im urbanen Umfeld, noch vor großen Herausforderungen. Die Firma Bertrandt hat in diesem Zusammenhang beschlossen, den Bus temporär mit einem LiDAR-System auszustatten, um Rohdaten zu sammeln, die mittel- und langfristig genutzt werden können, um Systeme zu trainieren und anzulernen. Vor allem zum Verhalten bezüglich dynamischer Objekte, wie z.B. Fußgängern, kann der im Altstadtbereich agierende EMIL wichtige Rohdaten generieren.  Der E-Bus bietet dafür eine optimale Plattform, da er ein unabhängiges Testmedium ist und auch Möglichkeiten für zusätzliche Onboard-Technik bietet.

Welche Daten wurden gesammelt und wie werden diese nun genutzt?

Im Rahmen von ca. 1300 Fahrten hat Bertrandt Sensordaten im Umfang von nur ca. 10 Terabyte von statischen und dynamischen Objekten sammeln können. Dafür wurde ein LiDAR mit acht Höhenebenen eingesetzt, im Gegensatz zu den teureren Sensoren mit deutlich mehr Höhenebenen. Diese Daten werden nun mit Hilfe von Machine-Learning-Methoden zur Objekterkennung eingesetzt, um z.B. Fußgänger und Fahrradfahrer zu erkennen.

Zusätzlich wurden Lokalisierungsdaten gesammelt. In Innenstadtbereichen mit Häuserschluchten ist eine durchgängige, genaue Positionsbestimmung mittels Satellitennavigation nicht immer möglich. Durch eine Sensordatenfusion mit den LiDAR-Daten lässt sich die Position zwischenzeitlich extrapolieren, so dass ein kurzer Verlust der GNSS-Positionierung ausgeglichen werden kann.

Bertrandt will die Erkenntnisse und Daten des Projekts intern weiter nutzen, aber auch Kooperationen schaffen, so dass weiterer Mehrwert generiert werden kann.

Wie geht es mit dem Bus weiter, gibt es weitere Projektideen?

Die Elektromobilität steht vor einigen Herausforderungen, für die der E-Bus eine optimale Plattform bietet. Wir vom E-Mobilitätscluster Regensburg organisieren Arbeitsgruppentreffen, in denen neue Projektideen für den EMIL gesammelt und diskutiert werden. Es gibt im Moment verschiedene neue Ansätze, zu denen z.B. die Klimatisierung der Elektrobusse gehört. Da im Gegensatz zum Pendant mit Verbrennungsmotor keine signifikanten Wärmequellen bestehen, muss die Batterie für die Heizung herangezogen werden – und das verringert die Reichweite deutlich. Neue Ansätze diesbezüglich können im EMIL erprobt und weiterentwickelt werden.

Videobeiträge zur Forschungsplattform E-Bus EMIL

E-Mobilitätscluster Mitglied Bertrandt nutzt von Mai bis September 2018 den E-Bus EMIL als Forschungsplattform.

17.05.2018: Regensburg: Fährt Altstadt-Bus „EMIL“ bald auch autonom?
29.09.2018: Bus ohne Fahrer: In Regensburg denkbar?

 

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